[ECHO] 55zigster Geburtstag von Jostein Gaarder

daniel.miskulnig daniel.miskulnig at chello.at
Mo Aug 13 23:50:43 CEST 2007


Hallo Liste,

Etwas verspätet, aber doch: Jostein Gaarder feierte vor ein paar tagen 
seinen 55zigsten Geburtstag, wozu ich nachträglich ganz herzlich gratulieren 
möchte!

Gaaarder hat das nahezu zirkusreife Kunststück geschafft einem Naseweiß wie 
mir Themen wie Literatur, Kultur, Philosophie und Geschichte schmackhaft zu 
machen. In seinen Werken versteht er es immer wieder den Leser/Hörer zum 
Nachdenken zu bringen und trotzdem auch die Spannung nicht zu kurz kommen zu 
lassen.
Er ist, zumindest seit einger Zeit und mmentan mein absoluter 
Lieblingsautor, weil er auch anspruchsvollere Inhalte schmackhaft 
vernmitteln kann und ich denke er wird es auch noch eine Zeitlang bleiben.

Meine beiden Lieblingswerke von ihm sind auf jeden Fall "Das 
Weihnachtsgeheimnis" und "Sofies Welt".
Allerdings muss man anmerken, dass hier beide Male auch der Hörverlag 
hervoragende Arbeit geleistet hat.

Es folgt nun eine Kurzbiografie und eine Aufzöhlung der bisherigen Werke.
Ich will hier übrigens nicht zu weit in die Politik geehn, aber ich finde 
mit seinen Äußerungen über Israel hat er zumindest nicht ganz unrecht.

Jostein Gaarder wuirde am 8.8.1952 in Norwegen geboren. Er studierte 
Philosophie, evangelisch-lutherische Theologie und norwegische 
Literaturwissenschaft an der Universität in Oslo. Anschließend unterrichtete 
er zehn Jahre lang das norwegische Fach Idéhistorie (inhaltlich nicht zu 
vergleichen mit der nur namensgleichen
Ideengeschichte, idéhistorie ist das geschichtliche Studium des Europäischen 
Gedankengangs/der europäischen Philosophie), sowohl in der Kinder- als auch 
der Erwachsenenbildung, bevor er sich als freier Schriftsteller etablierte.

Heute lebt er mit seiner Ehefrau, der Theaterwissenschaftlerin Siri Dannevig
in Oslo. Das Paar hat zwei Söhne: Nikolas (* 1978) und Kristoffer (* 1983).

Das Buch "Das Kartengeheimnis" erschien 1990 und wurde ein Jahr später mit 
dem bedeutendsten Literaturpreis des Landes - dem Preis der norwegischen 
Literaturkritik
- ausgezeichnet.

Mit seinem ursprünglich als Kinderbuch gedachten, aber auch von vielen 
Erwachsenen gelesenen Werk
Sofies Welt, das er 1991 schrieb, erlangte er 1993 Weltruhm und den 
Durchbruch als Schriftsteller. Für dieses Buch erhielt er 1994 den deutschen 
Jugendliteraturpreis. Es ist inzwischen in über 50 Sprachen übersetzt worden 
und wurde 1999 verfilmt.

 Kontroverse

Gaarder löste Anfang August 2006 durch seinen Kommentar "Gottes auserwähltes 
Volk" ("Guds utvalgte folk") in der norwegischen Zeitung
Aftenposten eine Kontroverse aus. Bezug nehmend auf die Militäraktionen 
Israels im Libanon
schrieb er u.a. (Auszüge der Übersetzung aus dem Englischen nach Übersetzung 
aus dem Norwegischen durch das Simon-Wiesenthal-Zentrum Paris):
 = "Es gibt keine Umkehr. Es ist an der Zeit, eine neue Lektion zu lernen: 
Wir erkennen den Staat Israel nicht länger an. Wir konnten das 
südafrikanische Apartheid-Regime nicht anerkennen, und ebenso wenig das 
afghanische Taliban-Regime. Und es gab viele, die Saddam Husseins Irak oder 
die ethnischen Säuberungen der Serben nicht anerkannten. Wir müssen uns nun 
an den Gedanken gewöhnen: der Staat Israel in seiner jetzigen Form ist 
Geschichte."

Und weiter: = "Wir glauben nicht an die Idee eines von Gott auserwählten 
Volkes. Wir lachen über die Hirngespinste dieses Volkes und weinen über 
seine Untaten. Als
Gottes auserwähltes Volk zu handeln ist nicht nur dumm und arrogant, sondern 
ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir nennen es Rassismus."

Zu den "Grenzen der Toleranz" führte er aus:
 = [...] "Wir nennen Kindermörder 'Kindermörder' und werden niemals 
akzeptieren, dass diese ein gottgegebenes oder historisches Mandat besitzen 
sollen,
das ihre Schandtaten rechtfertigt. Wir sagen nur dieses: Schande über alle 
Apartheid, Schande über ethnische Säuberungen, Schande über jeden 
Terroranschlag
auf Zivilisten, ob er nun von Hamas, Hisbollah oder dem Staat Israel verübt 
wird!"

Über Judenverfolgung und den Krieg im Libanon:
 = "Wir anerkennen Europas tiefe Verantwortung für das Leid der Juden und 
nehmen sie auf uns, für die schändliche Verfolgung, die Pogrome, und den 
Holocaust.
Es war eine historische und moralische Notwendigkeit für die Juden, ihre 
eigene Heimat zu erhalten. Der Staat Israel hat jedoch, mit seiner 
skrupellosen
Kriegführung und seinen abscheulichen Waffen, seine eigene Legitimität 
massakriert. Er hat internationales Recht, internationale Konventionen und 
unzählige
UN-Resolutionen zum Gespött gemacht, und kann nicht länger Schutz von diesen 
erwarten[...]"

Unter der Zwischenüberschrift "Israel hört nicht zu":
 = [...] "Wir akzeptieren nicht die Entführung von Soldaten. Aber ebenso 
akzeptieren wir nicht die Deportation ganzer Bevölkerungen oder Entführung 
legal
gewählter Parlamentarier und Minister. Wir anerkennen den Staat Israel von 
1948, aber nicht den von 1967. Es ist der Staat Israel, der den 
internationalem
Recht entsprechenden Staat Israel von 1948 nicht anerkennt, respektiert und 
sich auf ihn bezieht. Israel will mehr: mehr Wasser und mehr Dörfer. Um das
zu erreichen, gibt es jene, die, mit Gottes Hilfe, eine
Endlösung
des palästinensischen Problems wollen. 'Die Palästinenser haben so viele 
andere Länder', haben bestimmte israelische Politiker argumentiert; 'wir 
haben
nur eines.'"

Im letzten Absatz: = "Wir anerkennen nicht den Staat Israel. Nicht heute, 
nicht im Moment, da wir dieses schreiben, nicht in der Stunde von Trauer und 
Zorn. Wenn die gesamte
israelische Nation ihrem eigenen Handeln erliegen sollte und Teile der 
Bevölkerung aus den besetzten Gebieten in eine neue Diaspora fliehen müssen, 
dann
sagen wir: Mögen die Umgebenden gelassen bleiben und ihnen Gnade erweisen. 
Es ist ein ewiges Verbrechen ohne mildernde Umstände, die Hand an 
Flüchtlinge
und staatenlose Völker zu legen [...]"

Verschiedene Stimmen warfen Gaarder auf Grundlage dieses Essays 
Antisemitismus vor,

andere verteidigten ihn gegen diesen Vorwurf.

Einer seiner israelischen Verlage, Schocken Publishing House, kündigte am 9. 
August 2006 auf Grund seines anti-israelischen Kommentars den Vertrag mit 
Jostein Gaarder auf. Schocken-Verleger Racheli Edelman
erwägt die Erhebung juristischer Schritte gegen Jostein Gaarder. Seine 
scharfe Kritikerin Mona Levin wird zitiert: "Seit Hitlers Mein Kampf
habe ich nichts Antisemitischeres mehr gelesen!"

Am 12. August schrieb Gaarder in der Aftenposten eine Klarstellung zu den 
gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Dort erklärt er u.a.: = "Kein gottgegebenes 
Mandat"
 = Viele gaben zum Ausdruck, ich würde Religion und Politik miteinander 
vermischen. Ich versuchte das genaue Gegenteil. Als ich dem Kommentar den 
Titel
,Gottes auserwähltes Volk' gab, geschah das, um zu unterstreichen, dass wir 
in diesem Konflikt niemals akzeptieren dürfen, dass sich irgendeine Partei
auf ein göttliches Mandat beruft [...]
 = "Hier handelt es sich in erster Linie um etwas, das wir
,christlich-zionistische' Vorstellungen
nennen können, was ich meinte, also Vorstellungen davon, dass Gott weiterhin 
einen Plan für die Juden hat, und dass das, was heute im Nahen Osten 
passiert,
eine Warnung vor dem Jüngsten Tag,
der Wiederkunft Jesu,
etc. ist."

 Werke  [
Liste mit 12 Einträgen
. Diagnosen og andre noveller, 1986
. Froskeslottet, 1988
. Kabalmysteriet, 1990
. Sofies verden, 1991
. Julemysteriet, 1992
. Bibbi Bokkens magiske bibliotek, 1993, Mitautor:
Klaus Hagerup
. I et speil, i en gåte, 1993
. Hallo? Er det noen her?, 1996
. Vita Brevis, 1996
. Maya, 1999
. Sirkusdirektørens datter, 2001
. Appelsinpiken 2003
Listen Ende

In deutscher Übersetzung

Liste mit 14 Einträgen
. Sofies Welt,
1993
. Das Kartengeheimnis,
1995
. Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort,
1996
. Die Diagnose, 1997
. Der seltene Vogel, 1997 Kurzgeschichtensammlung
. Das Leben ist kurz - Vita Brevis,
1997
. Das Weihnachtsgeheimnis,
1998
. Hallo, ist da jemand?
, 1999
. Bibbi Bokkens magische Bibliothek,
2000, Mitautor:
Klaus Hagerup
. Maya oder das Wunder des Lebens,
2000
. Der Geschichtenverkäufer,
2002
. Das Orangenmädchen,
2003
. Das Schloss der Frösche,
2005
. Schachmatt, 2006
Listen Ende

L.G. Daniel